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Wie haben Sie das alles alleine geschafft?

Liebe Freunde,

während der letzten Tagen der offenen Tür unterhielt ich mich mit einer älteren Dame. Sie war etwa 75 Jahre alt, vielleicht aber auch älter, ich weiß es nicht. Eine Dame fragt man nicht nach ihrem Alter, sagte sie lachend.

Sie erzählte, dass sie uns schon seit 15 Jahren kennt und sich an unseren ersten Tage der Offenen Tür erinnert, als der Sitz der Stiftung (damals noch kleiner) in der Nähe von Warschau lag. Damals haben wir nur Waffeln anbieten können – nur das konnten wir uns leisten Die Marmelade dazu haben wir von unseren Omas bekommen, die Milch war eine ganz normale Kuhmilch und keine vegane, das Mehl, keinesfalls glutenfrei oder gar bio – ein einfaches Mehl aus der dortigen Mühle.

Seitdem sind so viele Jahre vergangen! Die Dame erzählte, dass sie zu uns zu Fuß ging, etwa 8 km lang! So als wäre das gestern gewesen… Heute, 15 Jahre später wurde sie von ihrem Sohn gefahren. Sie schaute sich alles bei uns an, was wir jetzt anzubieten haben: Flohmarkt voller Bücher, Antik und Schmuck, ausgewogenes und abwechslungsreiches Essen und und und…

Damals war ich 20 Jahre alt und träumte davon, dass unsere Stiftung wächst. Aber wir waren nur wenige und man musste klug abschätzen können, was man schaffen kann. Schließlich ist Rom auch nicht an einem Tag erbaut worden.

Die Dame guckte sich bei uns alles an, bewunderte neuen Zaun für Pferde, Ausläufe für unsere Hunde, neue Heuraufen, wunderschöne bunte Blumen überall und fragte: „Wie haben sie das alles alleine geschafft?“

Ich konnte es niemals alleine schaffen. Und genau davon möchte ich Euch heute erzählen. Wir sind mittlerweile hunderte, wenn nicht tausende Menschen, die Pferde retten. So viele, die ihre Zeit, Gedanken und Energie schenken, um diese Arbeit möglich zu machen. Nur dank Euch können wir etwas bewirken.

In meiner Stiftung bleiben die Leute jahrelang. Die meisten arbeiten hier seit mehreren Jahren, einige sind sogar von Anfang an dabei. Daniel zum Beispiel –  privat sind wir gut befreundet – er kümmert sich um alles Rechtliche, er hat mir bei der Registrierung der Stiftung geholfen. Hat mir alle nötigen Dokumente in die Pizzeria mitgebracht, wo wir damals vor 16 Jahren verabredet waren – als Bezahlung lud ich ihn zum Essen ein, denn ich hatte nicht wirklich viel Geld um seine Dienste zu bezahlen. Und er übernahm auch noch anfallende Gerichtsgebühren, weil er von meinen Ideen überzeugt war, die Menschen und die Tiere auf diese Weise tu verbinden. Damals ein junger, ambitionierter Rechtsanwalt, heute Vater von zwei schon erwachsenen Kindern – immer noch ambitioniert und erfolgreich und immer noch sehr engagiert in die Arbeit für die Stiftung.

Wir haben auch Ruslan – der Mann kann einfach alles, er hilft mir schon seit 10 Jahren, die Tiere in Szczedrzykowice zu betreuen. Er kam zu uns, um im Stall zu arbeiten aber wie es sich später herausstellte, besaß er enormes Pferdewissen und auch viel Erfahrung, und mittlerweile organisiert er alles auf dem Gutshof. Seine Frau und Kinder kamen nach und jetzt leben sie alle zusammen hier und können sich um die Tiere Tag und Nacht kümmern – denn diese Arbeit ist so, man muss die ganze Zeit bei den Tieren sein. Walery ist auch schon 10 Jahre bei uns und er träumte auch davon, seine Familie dabei zu haben – doch bis jetzt lebt er in Szczedrzykowice alleine und kümmert sich zusammen mit den anderen um unsere Tiere, rum um die Uhr. Man darf auch Krzysiek nicht außer Acht lassen, unseren Tierarzt. Er gehört auch zu meinen besten Freunden, er ist ein hervorragender Hippologe aus Leidenschaft. Ich lernte ihn noch kennen, bevor meine Stiftung entstand und bewunderte ihn immer für seinen Arbeitsehrgeiz. Egal ob Montag oder Sonntag, sein Geburtstag oder anderer Feiertag – er kommt immer, wenn Tiere ihn brauchen. Geld ist ihm nie wichtig gewesen, immer nur das Tier. Das änderte sich bis heute nicht. Ich kann es mir Centaurus ohne ihn nicht vorstellen. Marek kenne ich seit 25 Jahren, von ihm lernte ich vieles über Pferde, früher trainierte er Sportpferde auf internationalem Niveau. Danach rettete er sie mit uns zusammen; er organisierte und durchführte Pferdetransporte, half bei den Pferdemärkten, bei den Arbeiten im Reservat und beim Bauen der neuen Stiftung-Standorte. Heute, obwohl er vor Kurzem 60. Geburtstag feierte, transportiert er Pferde 7 Tage in der Woche, manchmal mit wenig Schlaf dazwischen. Wir hatten auch Krzysiek – leider ist er nicht mehr unter uns – er half mir jahrelang Centaurus zu leiten in Breslau und bei Zielona Gora, wo er der Stiftung seinen eigenen Stall zur Verfügung stellte. Er war ein großartiger Mensch – gab sein eigenes, erfolgreiches Gestüt auf um bis zum Ende seines Lebens Tiere zu retten, die keiner will. Er brachte mir fast genauso viel über Pferde bei, wie Marek, brachte mir bei, wie ich mit den Händler und Bauern reden kann, um Kontakte zu knüpfen und öffnete mir die Türen, die für die meisten für immer geschlossen bleiben.. Krzysiek verfasste mit mir zusammen einen Artikel über Pferde, die zu den Händler kommen – dass sie von Privatpersonen verkauft werden, Züchter oder Sportler – er änderte meine Sicht in vielerlei Hinsicht. Krzysztof verbrachte seine gesamte Zeit mit den Pferden, er aß mit ihnen zusammen, schlief bei ihnen und lass ihnen vor. Er verständigte sich besser mit ihnen als mit den Menschen. Er träumte davon, dass, wenn er schon alt und schwächer wird, auf seiner Veranda auf dem Schaukelstuhl sitzt und die Pferde beobachtet, die daneben auf dem Paddock laufen werden. Er starb jung und unerwartet 2014 und nicht nur mir fehlt er sehr. Mit ihm endete auch unsere Arbeit bei Zielona Gora – seitdem wächst unsere Stiftung im Primkenauer Landschaftspark von Tag zu Tag.

Wir haben auch Przemek bei uns, mit ihm ist alles möglich! Er sitzt gerne sowohl im Büro wie auch am Steuer eines Traktors, um den Pferden Heu zu bringen – kommt drauf an, was gerade gebraucht wird und nicht nach dem Plan  Bei uns gibt es nämlich selten festen Zeitplan. Es gibt keine besonderen Regel außer die Grundregeln, die für jeden gelten. Die Menschen bei Centaurus sind sehr kreativ und organisieren sich selber, ich habe wirklich großes Glück, solche gefunden zu haben. Die meisten von ihnen wissen selbst, was zu tun ist und genießen viel Freiheiten darin. Zahlreiche Projekte, Nachtschichten, manchmal machen die ganzen Familien oder Bekannten mit, das ist normal für uns. Wenn es irgendeinen Notfall gibt, meistens am Wochenende, geht der erste Anruf an Norbert, er fährt los, um zu schauen, was tatsächlich vorgefallen ist. Dann wird Ruslan benachrichtigt, damit er schnell eine Box bereit hält. Und natürlich wird unser Tierarzt verständigt, Krzysiek. So war das schon immer, auf jedem Gebiet. In Polen sind momentan etwa 150 Menschen tätig. Wir kennen uns auch meistens privat und nicht nur per mail oder Telefon. So eine Arbeit mit den Menschen persönlich hat eine ganz andere Qualität. Und der persönliche Kontakt war mir schon immer sehr wichtig. Zusammen fahren wir nach Szczedrzykowice, wenn es Putzaktionen gibt, zusammen überführen wir die Pferde ins Reservat, organisieren Vege-Kochkurse oder Nüstern-Künstler – Malkurse mit unseren Tieren. Hier verwirklichen wir uns selbst und das war wirklich immer das wunderbarste für mich – dass die Leute das leidenschaftlich tun können, was sie lieben. Denn wenn man mit ganzem Herzen dabei ist – auch wenn das viele Überstunden bedeutet – ist die Arbeit keine Zumutung, sie wird zu Bereicherung und spendet Energie.

Ich denke manchmal, dass hier nicht die Pferde von uns gerettet werden, sondern wir selber von ihnen. Sie geben unserem Leben einen Sinn, bewirken, dass wir uns gebraucht und nützlich fühlen. Zosia zum Beispiel – sie ist eine begnadete Köchin. Ihre Familie lebt in Szczedrzykowice schon seit Generationen. Das ist eine liebevolle Oma, für uns alle! 2012 bekochte sie unsere Stalljungs. Dann hörte sie aus gesundheitlichen Gründen auf und die Jungs mussten alleine klarkommen. Als ich einmal in die Küche schaute und Unmengen von Fertignahrung und überwiegend Fleischspeisen entdeckte (denn keiner bei uns wird zum Vegetarismus oder Veganismus gezwungen) – hab ich mich „leicht“ erschrocken und bat Zosia, zurückzukommen. Seit einem Jahr ist sie wieder in unserer Küche. Die Jungs, die von morgens bis abends am Arbeiten sind, hatten einfach keine Kraft oder Zeit an ausgewogene Ernährung zu denken und viele konnten auch nicht kochen. Aber das hat sich jetzt geändert. Dank Zosia riecht es in der Küche wie zu Hause, nach Kuchen, leckeren Suppen usw. Alles basiert auf veganer Kost und es klappt wunderbar. Jetzt kennt Ihr also unsere Zosia, sie ist so klein, dass sie sich auf die Zehenspitzen stellen muss, um in einem Topf rühren zu können – deshalb haben die Jungs für sie eine spezielle Erhöhung gebaut, damit sie es bequemer hat 🙂

Der Fan von Zosias Küche wurde auch Norbert, der bei uns auch schon einige Jahre arbeitet und rettet mit Euch Hunde und Katzen, obwohl bei den Pferden sammelt er neulich auch seine Erfahrung. Ich glaube Norbert schläft fast nie, sitzt im Auto und ist ständig unterwegs, mit dem Telefon am Ohr und Papierkram unter seinem Kissen. Früher sammelte er die Erfahrungen in anderen Organisationen aber erst bei Centaurus blühte er auf. Tierinterventionen, Interviews, Auftritte bei größeren Ivents bei uns, gerichtliche Verhandlungen, Tieradoptionen und Nächte in den Kliniken, bei den missbrauchten Tieren – das ist Norbert. Bei den Tagen der Offenen Tür wie auch unseren Flohmärkten sieht man Norbert auch immer mit dem Mikro in der Hand. Zusammen mit Illia, der auch schon längere Zeit bei uns ist. Er macht auch viele verschiedene Sachen, vom Beruf ist er Veterinär aber er sitzt auch gerne am PC und gestaltet unsere russischsprachige Seite, fotografiert unsere Pferde und hilft dabei, die Arbeit bei den Tieren in unseren verschiedenen Einrichtungen zu koordinieren. Wir haben auch Agata, sie beschäftigt sich mit Adoptionen, nicht nur in Polen. Sie ist die Mutter zweier Kinder und findet für unsere Pferde wunderbare Adoptivhäuser – schon über hundert Pferde hat sie erfolgreich vermittelt. Andrzej, unser Kamera-Mann, kann mittlerweile auch nicht mehr ohne Stiftung leben, mit seiner Kamera begleitet er uns überall, wo es was interessantes und schönes zu zeigen gibt. Er hat seine eigene Firma, die er erfolgreich führt und für uns arbeitet er in seiner Freizeit, auch nachts, wenn nötig. Man muss auch Karolina erwähnen – seit Jahren führt sich unseren Telefondienst. Sie unterhält sich sehr gerne mit Leuten, sie kann auch gut zuhören. Seit kurzem ist sie eine glückliche Mama, sie liebt Katzen und Hunde über alles. Kaska – ist auch schon fast so lange bei uns wie Daniel und machte schon nahezu alles bei uns. Diese Frau liebt Tiere, sie schreibt leidenschaftlich gerne über sie und sie macht auch die schönsten Pferdefotos. Sie ist auch eine Expertin auf dem Gebiet der Hufkrankheiten, was uns natürlich immer eine große Hilfe ist. Dann Omar, seit 10 Jahren bei Centaurus, kam anfänglich als Volontär und machte Security bei uns. Heute kümmert er sich um die Logistik zwischen Reservat, Gutshof und dem Tierarzt. Er erstattet Besuche bei den Adoptierenden und ist verantwortlich für die englischsprachige Kontakte der Stiftung. Und Mirek, er kennt die ganze aufwändige Tierdokumentation und leitet unseren Centaurus-Club. Zu Hause hat er auch einige Tiere, neulich arbeitet er auch sehr gerne und viel im Reservat, zieht gerne sein weißes Büro-Hemd aus uns fühlt sich sichtlich wohl zwischen den Tieren. Wer noch? Michal, der Eure Mails beantwortet, Agnieszka, unsere Copywriterin. Grzegorz, der Grafiker, ist schon seit 10 Jahren dabei. Zur Hilfe kommt ihm Łukasz, der auch Tiere liebt. Der andere Łukasz kümmert sich um die Pferdepässe. Róża, Ania, Halinka arbeiten im Centaurus-Club, Daniel – achtet auf die Pferde im Reservat und Aleksander mäht den Rasen, damit die Elektrozäune richtig funktionieren (es sind mehrere kilometerlange Litzen). Und noch viele andere Menschen, Tierliebhaber, Künstler und Träumer und diese, die fest am Boden stehen, auch diese, die sich gerne körperlich betätigen, wie Darek und seine Jungs von der Freiwilligen Arbeitsgruppe, die uns schon seit 12 Jahren helfen, eine ganze Menge Zeit. Wir sind viele, sehr viele! Viele gehen auch weg, viele fangen bei uns neu an. Jeder hinterlässt hier was einmaliges, was wunderbares. Viele von Euch gründeten im Laufe der Zeit bei uns eigene Familien, manche wanderten aus, andere wiederum kamen psychisch mit dem Entwicklungstempo unserer Stiftung nicht mit und wählten eigene Wege. Cenaturus ist sehr stabil, mit Dankbarkeit verabschieden wir diejenigen die gehen wollen, mit offenen Armen begrüßen wir neue Menschen, es fließt alles  Ich persönlich liebe es, wenn bei unseren Treffen Kinder und Tiere dabei sind. Kinder bereichern uns sehr mit ihrer einfachen Sicht und tollen neuen Ideen, sie haben Fantasie und für sie ist noch alles möglich! Tiere drumherum erinnern uns ständig daran, um was es hier bei der ganzen Arbeit geht. Obwohl, wie ich schon eben sagte, ich weiß nicht, ob wir das Leben der Tiere verbessern oder sie unser.

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Denkt bitte dran: am 25/26. September sehen wir uns wieder in Szczedrzykowice, bei dem Tag der offenen Tür. Genauer Plan der Veranstaltung folgt bald. Wir freuen uns sehr, wieder für Euch da zu sein.

So, jetzt genug geredet, genießt den August, ich grüße Euch

Ewa Mastyk, Stiftungsgründerin

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