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Ein paar Worte zur Adoption…

Wisst Ihr, dass wir ohne Pferdeadoptionen unsere Ställe schon längst mehrstöckig bauen müssten? Adoptionen sind immer noch für viele Pferdehalter ein sehr umstrittenes Thema. Wir werden oft zu diesem Thema befragt also habe ich beschlossen, die Gelegenheit zu nutzen, um Euch heute hier zu erzählen, wie es in unserer Stiftung mit diesen Adoptionen aussieht und warum wir sie überhaupt fördern.

Meiner Meinung nach, sind Adoptionen eine sehr gute Sache. Sie geben nicht nur einem Pferd (und natürlich auch einem Hund und einer Katze!) die Möglichkeit, individuell betreut zu werden, sondern helfen uns auch, die Öffentlichkeit für Aktivitäten zu begeistern, die mit Tieren, ihrer Pflege und der Verantwortung für sie, verbunden sind.

Aber eines nach dem anderen. Bedeutet dies, dass es Pferden und anderen Tiere bei uns schlecht geht? Im Gegenteil! Es geht ihnen wunderbar. Oder zumindest wollen wir das glauben. Bei uns haben sie ihre Ruhe und Frieden. Niemand will etwas von ihnen, niemand zwingt sie, etwas zu tun, sie leben in ihrem eigenen Reich. Sie werden gefüttert, bekommen zu trinken und bei Bedarf bekommen sie Massagen! Es gibt immer einen Schatten für sie, der vor der Sommersonne schützt. Unterstände aus Holz schützen vor Wind und Regen. Ein Märchenland, so wie es scheint. Aber das ist auch die Wirklichkeit. Dieses Märchen ermöglicht Ihr. Seit 16 Jahren.
Aber wir glauben, dass es noch andere wunderbare Orte gibt. Wir haben mehrere hundert Pferde zur Adoption freigegeben, wie auch hunderte von anderen Tieren. Nicht nur in Polen, sondern auch in Deutschland, Spanien und jetzt auch in Schweden. Unsere Pferde sind Pferde ohne Grenzen. Wir retten Pferde in Polen, Ungarn, Frankreich, Italien, der Tschechischen Republik oder Estland und auch in diesen Ländern suchen wir für sie wunderbares Zuhause, wo sie auf einem hohen Niveau gepflegt werden können. Dort, anders als bei uns, erfahren persönliche Betreuung. Wir lieben unsere Pferde aber sind nicht in der Lage, jedem genauso viel Zeit zu widmen, wie eine Privatperson das kann.

Und nein, wir sind nicht auf der Suche nach Adoptionen, die nur ein Pferd als „Reitinstrument“ sehen. Unsere Pferde sind Familienmitglieder. Sie sind Freunde für den Rest Eures Lebens. Sie werden geliebt und wie Schätze behandelt. Wir als Stiftung kümmern uns gemeinsam mit denjenigen, die sie adoptiert haben, um sie. Gemäß der Vereinbarung schickt uns der Adoptierende alle 30 Tage ein Foto des adoptierten Pferdes. So können wir die Hufe sehen, das ganze Pferd und meist auch die Umgebung. Natürlich kommt es vor, dass sich jemand verspätet, aber wir bleiben hartnäckig, bis wir die Fotos bekommen. Denn für uns sind diese Bilder entscheidend. Im Sommer besuchen wir unsere Pferde. Wir verteilen kleine Geschenke, wie z. B. ein Halfter, Führstricke, eine Packung Leckerlies für das Pferd – als Dankeschön für die Betreuung des geretteten Pferdes. Wir bleiben auch telefonisch in Kontakt mit den Adoptierenden, tauschen Textnachrichten aus, bekommen Fotos von der Geburtstagstorte des Pferdes und Fotos vom neuen Zaun oder Videos von lustigen Situationen. Wir alle begleiten das Leben eines jeden Pferdes mit, das zur Adoption freigegeben wurde. Und ein solches Pferd bleibt ein Leben lang unser Eigentum. Wenn es Probleme gibt, versuchen wir zu helfen, sowohl finanziell als auch mit Rat und Tat. Und trotz der Tatsache, dass es auch Vertragsstrafen gibt, kam es in unserer gesamten Adoptionslaufbahn nur ein einziges Mal zu einem Gerichtsverfahren. Der Grund dafür war, dass die Frau, die das Pferd adoptiert hatte, es wiederholt aus Profitgründen missbrauchte. Wir sind selten so streng, aber wir waren der Meinung, dass all diese Umstände sehr schädlich waren, nicht nur für das Pferd selbst, sondern für den gesamten Ruf des Adoptionssystems.

Unsere Regel besagt, dass, wenn jemand von der Adoption zurücktritt – was äußerst selten vorkommt –  den Unterhalt des Pferdes für die nächsten drei Monate finanzieren und es natürlich zum Gutshof zurück bringen muss. Die meisten Rücktritte werden jedoch durch Situationen verursacht, die kaum zu beneiden sind. Krankheit, Verlust des Arbeitsplatzes oder Umzug ins Ausland. Es ist uns noch nie passiert, dass wir in diesem Punkt eine Vertragsstrafe geltend gemacht haben. Vielleicht liegt es daran, dass unsere Pferde die Glücklichen sind – wir hatten nur schon lange keine Adoptionen mehr, wo ein Pferd für den Sommer, für eine Saison, genommen wurde. Wir stellen von Anfang an klar, dass wir kein Vermietungsunternehmen sind. Wir suchen ein Zuhause für Pferde und andere Tiere für den Rest ihres Lebens. Und wisst Ihr was? Ich weiß nicht, wie es dazu kommt, aber wir finden sie! Wir haben einige wirklich wunderbare Menschen, die zu uns kommen und die von uns geretteten Pferde für den Rest ihres Lebens bei sich behalten. Es kommt nicht vor, dass jemand ein Pferd zu uns zurückbringt, weil es krank oder alt geworden ist.
Manchmal bittet natürlich auch jemand um Hilfe. Denn wenn sich Tierarztbesuche häufen, entstehen oft enorm hohe Kosten. Und für eine Privatperson ist das manchmal ein unüberwindbarer Betrag. Aber wir wollen wirklich, dass das Pferd in einem guten Zuhause bleibt, wenn es eines hat und versuchen, je nach Möglichkeit, zu helfen.
Als ich in der Vergangenheit hörte, was verschiedene Organisationen über die Adoption von Pferden schrieben, zögerte ich. Aber 16 Jahre unserer Erfahrung haben uns einiges gelehrt. Unsere Pferde sollen nicht für sich selbst Geld verdienen. Sie sind auch nicht dazu da, um für irgendjemanden Geld zu verdienen. Sie sind dazu bestimmt, einfach nur zu leben. Das ist ganz einfach. Unsere Pferde können nicht zur Fortpflanzung genutzt werden. Natürlich kastrieren wir die Hengste. Und wir kümmern uns um die Stuten. Und diese Regel gilt ausnahmslos für alle. Unsere geretteten Pferde können nicht weiterverliehen werden. Denn wir suchen ein Zuhause, in dem sie zu Familienmitgliedern werden. Die Adoptierenden sorgen für den Hufschmied, den Tierarzt und für alles, was ein Pferd braucht. Wir haben vor kurzem zwei Pferde zur Adoption freigegeben, um die ich mir ein wenig Sorgen gemacht habe. Beide schon älter. Der Wallach hatte eine gescheiterte Rennkarriere und einen Unfall, der ein schweres Trauma zur Folge hatte. Die Stute war wahrscheinlich mit einer Bierflasche auf den Kopf geschlagen worden, und sie konnte am Kopf gar nicht berührt werden. So viele Jahre lang konnten wir kein Zuhause für sie finden, oder besser gesagt, wir haben nicht einmal danach gesucht. Und glaubt mir, als ich das Formular las, das plötzlich für diese beiden Pferde eintraf, liefen mir die Tränen in die Augen. Mich berührte es sehr, als ich die Fotos von den beiden Pferden sah, die im letzten Sommer auf den Holzstufen der Terrasse standen und Äpfel vom Tisch pflückten, und ihre Schnauzen wurden von den Adoptierenden liebevoll getätschelt, die am Tisch saßen. Und ja, den Pferden geht es gut bei uns. Aber um ein Pferd von einem Trauma zu befreien, muss man oft viel Zeit, Aufmerksamkeit und Geduld aufbringen. Und obwohl “Geduld” unser zweiter Vorname ist, ist das die Zeit, die uns ständig fehlt. Denn es gibt etwa 20 Pfleger für 1000 Pferde. Die Zahl schwankt, weil wir im Sommer weniger und im Winter mehr sind. Wir müssten etwa 100 Personen beschäftigen, um uns um die tägliche Rehabilitation der Pferde zu kümmern. Es ist leicht zu berechnen, wie hoch diese Kosten sein würden. Nicht nur für die Menschen selbst, sondern die gesamte Infrastruktur wäre sehr kostspielig. Denn es braucht Ställe, Menschen mit viel Wissen, es braucht Platz, es braucht auch die Unterbringung dieser 100 Menschen irgendwo. Deshalb… eine bessere Lösung sehen wir in den Adoptionen. Wenn es auf dieser Welt wunderbare Menschen gibt, die bereit sind, unseren Adoptionsvertrag zu unterschreiben und die Verantwortung für ein gerettetes Pferd mit uns zu teilen, dann halte ich das für eine wunderbare Möglichkeit.    

Ich bin weit davon entfernt, die Organisationen zu kritisieren, die der Meinung sind, dass Pferde auf ihren Weiden wie hinter Glas stehen sollten und niemand sie berühren darf. Aber ich teile ich diese Ansicht nicht. Centaurus ist nicht die einzige wohltätige Organisation, die sich für Tiere, speziell für Pferde einsetzt. Wir sind nicht die einzigen, die großartige Bedingungen für ein Pferd schaffen können. Ich habe Wunder gesehen, die wir – das gebe ich offen zu – nicht zustande bringen würden. Die Pferde wurden von Privatleuten rehabilitiert, die sehr viel Zeit hatten –  manchmal haben wir monatelang mit den Pferden gearbeitet und nicht solche Ziele erreicht, wie diese Menschen. Und so sehr wir uns auch ständig weiterbilden, unsere Fähigkeiten verbessern und uns Wissen aneignen, ich glaube fest daran, dass auch Liebe Wunder bewirken kann. Und Zeit. Zeit, Aufmerksamkeit und Sorgfalt. Diese Liebe zu den Pferden hat schon vielen Menschen Lebensinhalt gegeben. Diese Liebe hat auch die Narben vieler Pferde geheilt, weil die Menschen sich für sie aufopferten. Und die Pferde haben es gespürt.

Aus diesem Grund unterstütze ich Adoptionen von ganzem Herzen. Ich glaube, wie ich schon früher geschrieben habe, dass die Menschen gut sind und gute Dinge tun. Manchmal verirren sie sich nur einfach. Und es war nie das Ziel von Centaurus, das größte Asyl zu bauen, was jedoch eingetreten ist. Unser größtes Ziel im Moment ist, das Adoptionssystem so zu erweitern, dass jedes Tier, ob Pferd, Hund, Kuh oder Ziege, eine Chance hat, ein wichtiger Teil im Leben eines Menschen zu werden – und bitte drücken Sie uns die Daumen, dass es klappt.

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