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Letze 5 Minuten für Drops

Drops gehören zu den Wesen, die die Welt nicht wahrnimmt. Diese werden geboren und bleiben unsichtbar. Erst, wenn sie am Ende ihres Lebens sind, kommen sie zum Vorschein. Und nur für diesen einen Moment. Erst dann haben Pferde wie Drops ihre fünf Minuten. Manchmal gibt ihnen sogar jemand einen Namen, weil die Dokumente für den Schlachthof schnell erstellt werden müssen.

Drops ist nur ein graues Landpferd. Er weiß nichts, er hat keinen Stammbaum, er ist im Vergleich zu anderen Pferden nicht besonders hübsch. Weit unter dem Durchschnitt. Und das qualifiziert ihn dazu, die Welt vorzeitig zu verlassen. Denn bei Pferden ist es so, dass sie selten ziellos gehalten werden. Drops muss sich seinen Weg jedoch verdienen. Auch wenn er dafür mit seiner Existenz bezahlen musste.

Er kam den ganzen Weg hierher aus dem Karpatenvorland. Der Händler kaufte die gesamte Herde aus einer verfallenen Scheune. Alle anderen Pferde hatten sich auf die Kunden verteilt, aber Drops wurde beobachtet und gestreichelt und dann mit einem anderen Pferd zurückgelassen. Und wenn anderen Kunden kamen, spähten sie einfach durch das angelehnte Tor in die Scheune, warfen ein: “Oh, heute ist nichts Interessantes da” und verschwanden wieder. Es war, als ob es in dieser Scheune überhaupt gar kein Pferd stehen würde.

Als wir die Schwelle passierten und die Tore laut quietschten, hob Drops nicht einmal den Kopf. Er lehnte sich zurück, versteckt in den Schatten und der Dunkelheit, und starrte gleichgültig auf den Betonboden. Erst als wir nach ein paar Minuten nicht herauskamen, bewegten sich Drops Ohren und er sah uns mit diesen großen, hoffnungsvollen Augen an.

Der Händler packte das Seil und zog Drops hinter sich her. Er ging gehorsam, Huf für Huf, mit gesenktem Kopf. Im Laufe der Tage hatte er sich an den Gedanken gewöhnt, dass ihn niemand wollte. Der Mann fesselte Drops an einen Anhänger. “Ihr habt drei Minuten, es ist sowieso alles überflüssig, weil Ihr diesen Kadaver wahrscheinlich sowieso nicht mitnehmen werdet, aber der Kunde ist Könnigr, macht also Eure Fotos”, sagte er und verschwand für einen Moment in der Scheune.

Ich habe so viele Fotos gemacht, wie ich konnte. Nach einer Weile wurde ich von der rauen Stimme eines Mannes unterbrochen: “Ich werde gleich Gäste haben, geben Sie mir eine Anzahlung und kommen Sie mit dem Rest des Geldes später“. Er nahm Drops wieder mit.

Wir haben wenig Zeit für Drops bekommen, bis Donnerstag, dem 28. Juli, müssen wir 1107 Euro haben. Damit wird der Kauf und der Transport bezahlt. Danach leert sich die Scheune und Drops hat seine 5 Minuten. Die letzten 5 Minuten seines Lebens.

Spendenmöglichkeiten im Link unten, in der Betreffzeile bitte “DROPS” eingeben.

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